Identität

Die architektonische Banalität von Industrie- und Gewerbebauten ist unübersehbare Realität. Sie wird häufig mit der Unwirtschaftlichkeit besserer Arbeitsplatzqualität oder bewusster Gestaltung legitimiert. Diese folgenschwere Fehleinschätzung wiederlegte schon der bei seinen Zeitgenossen als äußerst sparsam bekannte Automobilkönig Henry Ford. Er prägte mit dem Motto „good design pays“ auch die bauliche Identität seines Unternehmens. Fordfabriken der 1920er-Jahre waren äußerst rentable Produktionsstätten bei gleichzeitig hoher Architekturqualität.

Im gegenwärtigen Umfeld globaler Märkte mit einer unüberschaubaren Vielfalt von Produkten kommt dem Grad der Erinnerbarkeit eines Unternehmens gegenüber Kunden und Mitarbeitern zunehmende Bedeutung zu. Die Alleinstellungsmerkmale und der Gesamtauftritt des Unternehmens werden nicht nur durch das Produkt, sondern auch und gerade durch die Fabrik und ihr äußeres und inneres Erscheinungsbild bestimmt. Die gegenteilige Bedeutungslosigkeit verheißt demgegenüber Untertauchen in der anonymen Masse. In den 1970er-Jahren verschmolzen Design, Verhalten und Kommunikation zu einem strategischen Konzept. Dies war die Geburtsstunde der Corporate Identity, der Unternehmensidentität, die zunehmend auch in die bewusstere Gestaltung der Bauten einbezogen wurde. Gegenwärtig erkennen viele Firmen ihr Potenzial einer Firmenhistorie, versuchen ein dazugehöriges Selbstbewusstsein herauszuarbeiten und identitätsbildend bewusst zu machen. Für die Gebäudekonzeption können sich hieraus Leitideen entwickeln, die den ersten positiven Eindruck besonders wettbewerbsfähiger Unternehmen unterstützen.

Damit wird das Gebäude zum gebauten Erinnerungswert und bindet gleichermaßen Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten. Es bietet in einer multimedialen Umgebung hervorragende Möglichkeiten der Werbung und erlaubt dem aufmerksamen Betrachter Rückschlüsse über die soziale, kulturelle und gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens. Die gebaute Fabrik kann so zum Zeichen ihrer Produkte werden, ihr „branding“ steht für Bilder und Codes, die weltweit dechiffriert und verstanden werden.