Form Follows Performance

Jeder über das absolute Minimum des 'Wirtschaftsbaus' investierte Euro und jeder zusätzliche Tag für Planung oder Bauzeit gelten als überflüssige Investitionen. Die Verwechslung der ökonomischen Ziele "billig" und "wirtschaftlich" rechtfertigt Anonymität, Banalität, Hässlichkeit. Die Gewerbetreibenden selber "verbauen" sich ihre Zukunft durch kurzsichtige, strategisch unkluge Bauentscheidungen, oft bedingt bereits die nächste Produktionsumstellung die notwendige Verlagerung des Unternehmens, zurück bleiben Stadt und Landschaft auf Dauer entzogene, ökologisch abgestrafte Brachflächen. Wenn Industrieunternehmen repräsentieren, geschieht es meist bei deren Hauptverwaltungen, den Headquarters. Der Zustand ihrer Werke ist dagegen selten vorzeigbar. Minimales Budget, knappe Bautermine und sequenzielle statt kooperative Fachplanungen verhindern die selbstverständlichste Art zu bauen - eine Bauaufgabe als Aufgabe gut zu lösen. Dabei ist gerade der Industriebau eine besondere Domäne der Architektur, die sich fernab von Stilmoden der klassischen Bauaufgaben eine innere Freiheit für neue Technologien, Konstruktionen, Materialien bewahrt hat.

Welches sind die strukturbildenden Kriterien der Gestalt eines Gebäudes? Welche Merkmale prägen Leistungs- und Wandlungsfähigkeit?
Während im technischen Design vielfache Sichten der Anforderungen aus Markt, Technologie, Herstellungskosten, formaler Qualität, Haltbarkeit und Produktionszeit marktfähige innovative Produkte prägen, entstehen Gebäude mehr oder weniger zufällig. Im Bauwesen fehlt sehr oft die systematische Entwicklung der Gebäudeelemente. Tragwerk, Hülle, Haustechnik und Ausbau werden unabhängig von der Festlegung der Produktions- und Logistikstrukturen, meist ohne hinreichenden Weitblick, bestimmt. Langfristige Investitionen in Gebäude ohne feingliedrige Analyse der Strukturelemente erinnern an den sprichwörtlichen Kauf der Katze im Sack. Es gilt daher, die Summe der Elemente eines Gebäudes ähnlich der Testwerte eines Automobils als bewertbare Leistungsform aufzufassen.