Fabrik A++

In produzierenden Unternehmen tragen Energiekosten mittlerweile einen hohen Anteil an den Produktionskosten. So sind beispielsweise die Strom- und Erdgaspreise zwischen den Jahren 2000 und 2006 um gut 70% gestiegen (BMWi: Energiedaten, 2008). Prognosen zufolge werden die Energiekosten auch in Zukunft weiter ansteigen. Da die Möglichkeiten der Substitution von energieverbrauchenden Prozessen durch andere Produktivkräfte beschränkt sind, stehen Unternehmen zukünftig vor der Aufgabe, Energieverschwendung zu vermeiden. Maßnahmen, die zu Energieeinsparungen führen können, stehen jedoch meist im Widerspruch zu sonstigen Zielgrößen bei der Planung bzw. Optimierung einer Fabrik, vor allem der Materialflusseffizienz.

Aktuell fehlen in der Fabrikplanung die notwendigen Instrumente, um einem derartigen Zielkonflikt befriedigend begegnen zu können. Die Auswirkungen energieeffizienter Fabrikstrukturen auf die übrigen Ziele der Fabrikplanung sind bis heute nicht hinreichend erforscht. Daher sind integrierte Fabrikplanungstechniken dringend erforderlich, um Energieeinsparpotenziale zu realisieren.

Das Ziel des Forschungsprojekts ist die Ableitung von Empfehlungen zur energie- und materialflusseffizienten Strukturierung und synergetischen Gestaltung von Fabriken. In Kooperation mit verschiedenen Unternehmen wird eine Dokumentation von typischen energieintensiven Prozessen und Anlagen mit den jeweiligen Entstehungsorten entwickelt. Zudem werden Potenziale und Handlungsfelder zur Reduzierung des Energiebedarfs identifiziert. Die entwickelten Haupt- und Unterkriterien zur logistischen und energetischen Bewertung von Fabrikbereichen werden in eine Nutzwertanalyse zur Bewertung von Strukturierungskriterien überführt. Die Identifizierung energetisch relevanter Fabrikbereiche sowie die Sammlung möglicher und energetisch geeigneter Fabrikbereiche mündet in nach dem Bilanzierungsverfahren der nach DIN V 18599 bewerteten Gebäudestrukturierungen. Abschließend wird die Wechselwirkungen zwischen den logistischen und energetischen Zielen dokumentiert und die entwickelte Methode in Praxisbeispielen verifiziert.

msa, münster school of architecture, Lehrstuhl Prof. J. Reichardt, IPH Hannover