Ästhetik

Architektur spiegelt immer die Kräfte wider, die bei ihrer Entstehung wirksam waren. Leider trifft dies auch auf die überwiegende Zahl hässlicher Industrie- und Gewerbebauten zu. Es hat den Anschein, als sähen Unternehmen in ihren körperlichen Äußerungen oft nur lästige Notwendigkeiten, auf die man am liebsten ganz verzichten würde. Architektur ist der elementarste und der dauerhafteste Ausdruck gesellschaftlicher Kultur. Für die jeweilige Aufgabenstellung ist mit Geschick und Kreativität ein gestalterisches Gesamtkonzept in Form, Material und Farbe zu erarbeiten. Dieses mit „anmutig“ zu bezeichnende Gesamtkonzept sollte bis zur Ausbildung von Details und Fügungen durchgängig erkennbar sein, für „Außen“ wie „Innen“ gleichermaßen gelten. Dabei sind gestalterische Details wie Entwurf der Fassadenproportionen oder Farbeinsatz sekundäre Gestaltmerkmale. Wesentlicher für die Gesamtwirkung des Gebauten ist zunächst die Tektonik der Volumenentwicklung und Baukörperverteilung. Oft wird bei gestalterischen Missständen mit dem Alibi der gebotenen „Wirtschaftlichkeit“ argumentiert und ein bewusster Verzicht auf Anmutung dem hohen Kostendruck zugeschrieben. Vielfältige Gegenbeweise liefern die in diesem Buch zusammengestellten Beispiele hervorragender Gewerbearchitektur. Gerade die funktionalen Industriebauten des in seiner Zeit als Knickerpfennig verschrienen Autokönigs Henry Ford belegen eindrucksvoll wie höchste Wirtschaftlichkeit durchaus mit vorbildlicher Ästhetik vereinbar ist. Der Ausspruch Fords „good design pays“ zeigt ein hohes Bewusstsein für hervorragend gestaltete Arbeitsstätten mit schon in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts in die Gesamtwirtschaftlichkeit einbezogenen Faktoren wie Reduzierung von Krankenstand und Kündigungen mit langfristiger Bindung von Mitarbeitern an das Unternehmen. Eine anmutige Industrie- und Gewerbearchitektur entsteht mittels der grundsätzlichen Parameter strukturelle Ordnung, Einfachheit sowie Balance von Einheit und Vielfalt.